Der Baum
Ich glaube fest: Kein Lied der Welt,
kein Wort aus Menschenmund,
kann jemals so voll Schönheit sein
wie ein einziger Baum.
Ein Baum, der mit verlangendem Mund
die süße Erde trinkt,
der tiefverwurzelt, wie ein Kind
im Arm der Mutter sinkt.
Ein Baum, der still zum Himmel schaut,
die Zweige, wie Gebete hebt,
der jede Seele, die ihn sieht,
in sein grünes Schweigen webt.
Ein Baum, der Sommersonnen trägt,
in seinem Haar ein Vogelnest,
der Winter ruht auf seiner Brust,
der Regen schläft an seinem Rest.
Gedichte schreibt ein Mensch, wie ich
- doch nur die Liebe schafft den Baum,
der unser Herz zum Staunen bringt
seit Anbeginn von Zeit und Raum.
Eigeninterpretation von Joyce Kilmers,Tree